Stationen im Leben eines Bürostuhls, Teil 5 Entwicklungs- werkstatt und Polsterei

In Teil 5 unserer Serie „Stationen im Leben eines Bürostuhls“ darf ich euch heute in die Entwicklungswerkstatt und Polsterei zu meinem Kollegen Leo Kiefer, Entwicklungspolstermeister bei Klöber, mitnehmen. In enger Zusammenarbeit mit Design und Konstruktion, über die ihr ja bereits hier auf dem Blog lesen konntet, entstehen in dieser Abteilung die ersten Prototypen eines neuen Klöber Bürostuhls.

Leo, willst du dich kurz vorstellen?

Seit über 10 Jahren arbeite ich bei Klöber in der Entwicklungswerkstatt und Polsterei. Was sich nach einer langen Zeit anhört, ist in unserem Unternehmen aber keine Seltenheit, denn viele meiner Kollegen sind bereits seit über 40 Jahren (!) mit dabei – und das ist auch gut so! Unsere Aufgabe ist es nämlich, die Ideen und Entwürfe unseres Designers – von dir, lieber Jörg ­– in dreidimensionalen Modellen sichtbar zu machen und sie vor allem auf ihre Realisierbarkeit hin zu überprüfen. Eine Aufgabe, die uns dank jahrelanger Erfahrung und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren, immer wieder gelingt.

 

Wie genau gehst du bei der Entwicklung eines solchen dreidimensionalen Modells vor?

Nach den Zeichnungen von dir fertigen wir das sogenannte „Volumenmodell“ an.

 

Was ist ein Volumenmodell? Kannst du das erklären?

Dabei handelt es sich um das Modell eines Stuhls, das täuschend echt aussieht, aber über keinerlei Funktion verfügt. Es ist sogar schon einmal vorgekommen, dass sich ein Kollege versehentlich darauf niederlassen wollte und unsanft auf dem Boden gelandet ist. Das Volumenmodell entsteht beispielsweise aus dem leicht formbaren Material Obomodulan. Dieses lässt sich ähnlich wie Holz bearbeiten und kann mit Feile, Raspel oder Fräse bearbeitet sowie verklebt und lackiert werden – ihr könnt euch also vorstellen, dass es noch nicht so stabil ist.

 

Wie geht es nach dem Volumenmodell dann weiter?

Ist das Volumenmodell fertig, geht es mit der sogenannten „Sitzmaschine“ weiter. Hier kommen also die Funktionen des jeweiligen Stuhls ins Spiel.

 

Wow, das klingt kompliziert. Wie gehst du dabei vor – kannst du das unseren Lesern genauer erklären?

Die enge Zusammenarbeit mit dem Design, ist dabei besonders wichtig. Schließlich müssen die gewünschten Funktionen bei einem Bürostuhl auf engem Raum eingesetzt werden. Ein sehr schmales Design sieht zwar schön aus, ist aber technisch nicht immer realisierbar.

 

Damit willst du sagen, dass ich euch immer vor neue Herausforderungen stelle, oder?

Ja. Die Klimafunktion in die Bürostühle Mera und Moteo zu integrieren, stellte uns beispielsweise vor eine sehr große Herausforderung: Haben Autobauer in einem breiten Autositz sehr viel Platz, die Mechanik zu verstecken, mussten wir mit dem kleinen Platzangebot der vorhandenen Sitzflächen der Bürostühle Mera und Moteo zurechtkommen. Schließlich gab es die Modelle bereits, bevor die Klimatechnologie hinzukam. Dass uns die Verbindung von Design und Funktion geglückt ist, beweisen uns die Klimastühle: die Klimatechnologie ist formschön in die Sitzfläche integriert.

 

Beim Moteo mit Klimafunktion sind Design und Funktion perfekt aufeinander abgestimmt: die Funktion „Heizen“ sorgt bei den aktuellen Minusgraden für Wärme an Po und Rücken.

Beim Moteo mit Klimafunktion sind Design und Funktion perfekt aufeinander abgestimmt: die Funktion „Heizen“ sorgt bei den aktuellen Minusgraden für Wärme an Po und Rücken.

 

Deine Arbeit klingt nach sehr viel Spaß am Experimentieren.

Das stimmt. Obwohl meine Kollegen und ich schon so lange dabei sind, haben wir die Lust an neuen Materialien nicht verloren. Wir experimentieren und probieren mit Freude und schaffen innovative Techniken, die der Markt so noch nicht kennt.

 

Kannst du uns hierfür ein Beispiel nennen?

Ja, na klar. Der Bürostuhl Mera ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Unter anderem mit Netzrücken: Der Rücken ist in einem Stück und in Drei-Komponenten-Technik gefertigt. Dabei folgt das Maschenbild in seiner Geometrie den Köperformen seines Nutzers.

 

Bürostuhl Mera mit Netzrücken: Größere Maschenweiten stehen für größere Flexibilität, kleine Maschen stützen stärker.

Bürostuhl Mera mit Netzrücken: Größere Maschenweiten stehen für größere Flexibilität, kleine Maschen stützen stärker.

 

Was ist für deinen Job unverzichtbar?

Sobald Volumenmodell und Sitzmaschine überzeugen, kommt meine Nähmaschine ins Spiel. Als Polstermeister ist es meine Aufgabe, die vorgegebenen Stoffe des Designs passgerecht für den Bürostuhl zuzuschneiden und eine Nähtechnik zu entwickeln, die leicht umzusetzen ist und sich vor allem für die anschließende Serienproduktion eignet.

„Nicht ohne meine Nähmaschine“ lautet Leos Credo.

„Nicht ohne meine Nähmaschine“ lautet Leos Credo.

 

Die hochwertigen Stoffe sind ja auch recht teuer. Wie gehst du bei der Kostenkalkulation vor?

Die Kalkulation der zukünftigen Kosten ist eine besondere Herausforderung für mich und kann ebenfalls nur in enger Abstimmung mit dem Design funktionieren. Ist ein Nahtbild beispielsweise schwierig in der Umsetzung, muss es zugunsten der Wirtschaftlichkeit schon mal wegfallen oder abgeändert werden. Um hierbei unsere bzw. deinen hohen Designansprüche nicht zu vernachlässigen, entwickle ich die neue Version der Naht dann gemeinsam mit…

 

Mit mir 🙂 Leo, danke für das nette Gespräch.

 

Ihr seht also: Die enge Zusammenarbeit aller Abteilungen schafft uns hier bei Klöber einen entscheidenden Vorteil, was Design, Funktion, Realisierbarkeit und Kosten angeht. Genau das macht uns so einzigartig.

 

Habt ihr noch Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns über jeden Kommentar.

www.kloeber.com

 

Jörg Bernauer

Jörg Bernauer, Inhouse-Designer. Seit 2008 begleite ich bei Klöber jedes neue Produkt von Anfang an. Dabei arbeite ich eng mit meinen Kollegen aus anderen Abteilungen zusammen, bin so direkt in…


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