Die Entwicklungsabteilung der Firma Klöber.

Stationen im Leben eines Bürostuhls, Teil 3 Technische Umsetzung

Ein guter Bürostuhl braucht seine Zeit. Hier bei Klöber arbeiten wir im Durchschnitt rund zweieinhalb Jahre an einem Neuprodukt, das unseren Markennamen tragen darf. Mein heutiger Interviewpartner Christian Roth-Schuler, Leiter Produktentwicklung, verrät, was in dieser Zeit geschieht.

Christian Roth-Schuler ist Leiter der Produktentwicklung bei Klöber und verrät im Interview, wie aus einer anfänglichen Idee ein fertiges Produkt wird.

Christian Roth-Schuler ist Leiter der Produktentwicklung bei Klöber und verrät im Interview, wie aus einer anfänglichen Idee ein fertiges Produkt wird. © Klöber

Christian, wie geht es nach der internen Marktbeobachtung, Trendforschung und Impulsgebung weiter?

Was Klöber ausmacht, ist die große Innovationsfreude. Haben wir neue Impulse erhalten, setzen wir uns in der sogenannten Produktinnovationsrunde zusammen. Aus 1000 anfänglichen Ideen greifen wir uns 100 heraus. Zehn davon werden ausführlich besprochen. Am Ende bleiben zwei bis drei konkrete Projekte übrig, an deren Umsetzung wir arbeiten. Ein völlig neues Produkt entsteht bei uns in der Regel in einer Zeit von zwei bis drei Jahren. Eine der wichtigsten Deadlines, die wir dabei stets im Hinterkopf haben: die Orgatec. Bei unserem vergangenen Messeauftritt im Herbst 2016 konnten wir beispielsweise drei Fokusprodukte vorstellen: Klöber Klimastuhl®, Connex2 und Tasso 2.0.

Stimmt, da war eine Menge los! Aber nochmal zurück an den Tisch der Produktinnovationsrunde: Wenn die Wahl auf die besagten zwei bis drei neuen Projekte gefallen ist – was passiert dann?

Im sogenannten Lastenheft wird jedes Entwicklungsprojekt mit all seinen Anforderungen und Kennzahlen ausführlich festgehalten. Das Lastenheft ist sozusagen unsere „Bibel der Aufgabenstellung“. Im anschließenden Kick-off, das im interdisziplinären Team aus Ingenieuren sowie Mitarbeitern aus Werkstatt und Musterbau stattfindet, wollen wir gemeinsam herausfinden, wie wir unsere Ideen in die Realität umsetzen können. Dabei gehen wir immer mit offenen Augen durch den Alltag. Eine selbstaufblasbare Luftmatratze inspirierte beispielsweise Kollege Erwin Klöck zu unserem mittlerweile patentierten celligence®-system, das bewegtes Sitzen durch individuell regulierbare Luft im Sitz ermöglicht.

Nach dem anfänglichen Brainstorming geht es dann schon los mit dem Prototypenbau. In der eigenen Werkstatt entsteht ein zunächst abstraktes, dann immer konkreter werdendes Abbild unseres zukünftigen Produkts – und da kommst du, Jörg, bereits ins Spiel!

Ja, schon in der Phase des Prototypenbaus überlege ich mir, wie die gewünschten Funktionen ins Design passen können. Es würde keinen Sinn machen, ein halbes Jahr an der Entwicklung zu tüfteln und dann festzustellen: „Das klappt ja so gar nicht!“. Die Symbiose aus Design und Entwicklung ist enorm wichtig. In meinem eigenen Beitrag zur Bürostuhl-Serie habe ich dieses „von Innen heraus gestalten“ bereits angesprochen.

Aber zurück zu dir: Gibt es einen groben Zeitplan, der für jedes Neuprodukt gilt?

Ganz genau können wir das natürlich nie voraus sagen, denn es kann immer etwas dazwischen kommen. Aber ja: Im Großen und Ganzen kommen wir pro Stuhl auf sieben Etappen: Präsentation des Konzepts, Präsentation des Designs, Präsentation des ersten Prototypen, Werkzeugbau, Test- und Korrekturphase, Vorserie sowie Nullserie und schließlich Serienreife.

Nach der Freigabe am Ende der Prototypen-Phase folgt also der Werkzeugbau. Wie können unsere Blog-Leser sich diesen Step vorstellen?

Der Werkzeugbau ist sicherlich der teuerste Teil der Produktion eines Bürostuhls, denn je nach Modell werden schon mal 1 Million Euro in Tools investiert – Arbeitszeiten nicht mit eingerechnet. Soll ein besonderes Werkzeug erstellt werden, kann das auch mal vier bis fünf Monate dauern. Ist das Tool dann fertig, wird es auf Herz und Nieren getestet. In der Regel benötigen wir hier nochmal drei Korrekturzyklen. Dann sind wir aber startklar für Vorserie und Nullserie.

Vorserie? Nullserie? Was bedeutet das?

Die Vorserie ist quasi der Testdurchlauf inhouse. Mitarbeiter verschiedener Abteilungen bekommen den neuen Stuhl zum Probesitzen. Auf diese Weise können wir weitere Korrekturen vornehmen. Im Moment sitze ich übrigens auch auf so einem Teststuhl. Die Nullserie hingegen verlässt das Haus: Ausgewählte Probanden, z.B. Fachhändler, erhalten den Stuhl ebenfalls zum Testen. Mit Hilfe einer Checkliste prüfen sie den Stuhl Zentimeter für Zentimeter und es folgen erneute Verbesserungen. Die gesamte Korrekturphase nimmt rund ein Jahr in Anspruch. Anschließend ist der Stuhl aber perfekt und die Serienproduktion kann beginnen.

Vielen Dank für deine Zeit, Christian! Im vierten Teil dieser Serie wird Georg Reiswich den Step des Werkzeugbaus genauer beleuchten.

Habt ihr noch Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns über jeden Kommentar.

www.kloeber.com

Jörg Bernauer

Jörg Bernauer, Inhouse-Designer. Seit 2008 begleite ich bei Klöber jedes neue Produkt von Anfang an. Dabei arbeite ich eng mit meinen Kollegen aus anderen Abteilungen zusammen, bin so direkt in…


mehr erfahren
No Comments

Post a Comment