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ConWork – vom Kugel­schreiber zum Büro- und Konferenz­stuhl

„Es ist schwerer, einen guten Stuhl zu bauen als einen Wolkenkratzer“ – diesem Zitat des deutsch-amerikanischen Architekten und Designers Ludwig Mies van der Rohe kann ich an manchen Tagen tatsächlich zustimmen. Eine unserer jüngsten Entwicklungen, der Büro- und Konferenzstuhl „ConWork“, hat mich doch sehr intensiv beschäftigt. Insgesamt hat der Design- und Entwicklungsprozess drei Jahre gedauert, mehr als sieben Prototypen und Modelle haben wir in dieser Zeit erstellt und zahlreiche Probandentests durchgeführt. Das Entscheidende in der Entwicklung war letztlich ein kleines und unscheinbares Detail – ein ganz besonderer Kugelschreiberclip. Dieser hat mich zur Mechanik des Stuhls inspiriert. Doch fangen wir am besten von vorne an …

Am Anfang war der unbequeme Konferenzstuhl

Viele Menschen verbringen heute mehr Stunden in Konferenzen, Besprechungen und mit Projektarbeit als am eigenen Arbeitsplatz, gleichzeitig klagen viele Menschen über unbequeme Konferenzstühle – an dieser Stelle sehen wir bei Klöber ein großes Einsatzgebiet. Wir haben es uns deshalb zur Aufgabe gemacht, einen Dreh-Konferenzstuhl zu gestalten, der mehr Bewegung in Besprechungen bringt und die Gesundheit fördert.
Gerade bei Konferenzstühlen ist es wichtig, dass sie einfach und intuitiv bedienbar sind. Sind die Nutzer von der Komplexität der Stühle überfordert, bleiben in der Folge die Einstellungsmöglichkeiten ungenutzt. So sitzen Mitarbeiter stundenlang in Besprechungen und klagen danach über Verspannungen und Rückenschmerzen. Ergonomische Bürostühle, wie sie viele Mitarbeiter an ihrem persönlichen Schreibtisch ihr Eigen nennen, wären eine mögliche Lösung. Warum setzen wir also nicht diese ein? Weil der erste Eindruck zählt! Der Konferenzraum ist einfach ein wichtiges Aushängeschild eines Unternehmens – hier werden Kunden und Gäste empfangen, ein repräsentatives Ambiente ist daher wichtig. So muss auch das Stuhl-Design möglichst klar, transparent und wertig sein. Es gibt einige Design-Klassiker, die zwar optisch einiges hermachen, aber die sind keinesfalls bequem. Die große Herausforderung beim ConWork war es, diese Ansprüche zu vereinen: Wir wollten einen intuitiv bedienbaren Stuhl mit einer eleganten Formensprache gestalten, der gleichzeitig einen hohen, ergonomischen Sitzkomfort bietet.

Mit Alltagsinspirationen zum perfekten Büro- und Konferenzstuhl

Eine Idee musste her. Sobald ich an einem neuen Projekt arbeite, sensibilisiert sich meine Wahrnehmung automatisch: Form, Farbe, Funktion – wenn ich etwas sehe, versuche ich auch immer einen Bezug zu meiner Arbeit herzustellen. Meine Fantasie wird auf diese Weise auch durch vermeintlich funktionsfremde Dinge angeregt. Die eigentliche Kreativität besteht dann darin, das Potential zu erkennen und für neue Dinge zu übersetzen. Ein ähnliches Prinzip gibt es in der Bionik – hier werden Funktionen der Natur in Technik umgesetzt. So lasse ich mich gerne von all dem inspirieren, was mich in meinem Alltag umgibt. Das kann eine Taschenlampe, eine Schweißermaske oder eben auch ein Kugelschreiberclip sein, mit dem ich eines Tages gedankenlos herumspielte. Dabei beobachtete ich, wie an dem Clip durch zwei versetzte Drehpunkte Spannung aufgebaut wurde. Ein passendes Feder-Prinzip, dachte ich.

Ein Kugelschreiberclip inspirierte Jörg Bernauer, Designer bei Klöber, zu einer neuen Sitzmechanik © Klöber

Von der Mechanik zur Automatik

Die Entdeckung der Spannungsentstehung in dem Kugelschreiberclip hat mich nicht mehr losgelassen und ich fing an, das Prinzip in die Mechanik des neuen Stuhls zu transportieren.
Angefangen haben wir mit einfachen Funktionsmodellen, die zur groben Ermittlung der Kräfte und Dimensionen dienten. Wir, das sind übrigens ich und meine Kollegen aus der Entwicklung und dem Modellbau, mit denen ich immer eng zusammenarbeite. Jedenfalls besteht das Feder-Prinzip des Kugelschreiberclips beim ConWork aus der Kombination von Holzrücken und einem Holzfederelement. Wie eine Waage balanciert der Stuhl das Gewicht zwischen Sitz und Rücken aus. Je höher die Belastung auf dem Sitz, desto größer ist auch der Lehnendruck. Die Mechanik wurde somit zur Automatik. Bis die Idee letztlich in technische CAD-Daten überführt wurde, waren jedoch noch einige Arbeitsschritte nötig, so musste zum Beispiel die Sitzlast in den Lehnendruck übertragen werden. Außerdem haben wir den Bewegungsablauf weiter optimiert. Die Drehpunkte wurden so angepasst, dass es zu keinem „Hemdauszieheffekt“ kommt. Davon spricht man, wenn die Rückenlehne beim Zurücklehnen am Rücken entlang rutscht und dabei das Hemd des Sitzenden nach oben schiebt. Und immer wieder hieß es probesitzen, optimieren, probesitzen. Doch unsere Anstrengungen haben sich am Ende gelohnt. Wir haben viele Probandentests mit verschieden großen und schweren Personen durchgeführt. Alle bestätigten dabei den permanenten Halt sowie den passenden Lehnendruck in jeder Position – und das ganz ohne Feinjustierung. Der Stuhl verfügt nur über einen einzigen Hebel, der zur Regulierung der Sitzhöhe dient. Alle anderen Einstellungen passen sich von alleine, also automatisch, an.

Über sieben Prototypen und Modelle des ConWork wurden in der Klöber-Werkstatt angefertigt © Klöber

Über sieben Prototypen und Modelle des ConWork wurden in der Klöber-Werkstatt angefertigt © Klöber

Designer Jörg Bernauer und Modellbauer Peter Fetschak testen den Bewegungsablauf des ConWork © Klöber

Designer Jörg Bernauer und Modellbauer Peter Fetschak testen den Bewegungsablauf des ConWork © Klöber

 

Ein wertiges Design für den repräsentativen Büro- und Konferenzsuhl

Beim Design war mir wichtig, dass der Stuhl eine klare Formgebung mit fließenden Linien und Übergängen hat. Um diese elegante Optik zu erzielen, haben wir die Mechanik so in den Stuhl integriert, dass sie kaum sichtbar ist. Wichtig waren mir vor allem die Details: Durch den Einsatz natürlicher und hochwertiger Materialien lassen sich Qualität und Komfort der Modellreihe sehen und spüren. Für die Polster gestaltete ich eine Art Chesterfield-Steppung, die sanft und einladend wirkt. Durch die kleinen Flächen wird das Einsitzen weich und das Polster wird gleichzeitig belüftet. Wahlweise gibt es die Polsterung auch mit einer einfachen geraden Steppung. Der Rücken besteht aus Formholz, dessen Biegeverhalten optimal für die Feder ist. Diesen gibt es in den Varianten Nussbaumechtholz, Schwarz und Weiß, die jeweils auch umpolstert werden können. So lässt sich der Stuhl für verschiedene Räumlichkeiten unterschiedlich konfigurieren.

Designer Jörg Bernauer und Polstermeister Leo Kiefer legen Nahtposition und Polster-Wölbungen für den ConWork fest © Klöber

Designer Jörg Bernauer und Polstermeister Leo Kiefer legen Nahtposition und Polster-Wölbungen für den ConWork fest © Klöber

Das ConWork-Geheimnis: Funktion und Formgebung von Anfang an

Mit einer formschönen und hochwertigen Optik können auch Modelle anderer Hersteller punkten. Doch diese besitzen meist sehr einfache Wipp- oder Schwenkmechanismen und bieten deshalb weit weniger gesunden Sitzkomfort. Das ist bei unserem ConWork eben anders. Woran das liegt? Unsere Produkte werden „von innen heraus“ gestaltet. Funktion und Formgebung sind auf diese Weise eng miteinander verknüpft. So ein Entwicklungsprozess ist für die heutige Zeit selten, denn wir Designer werden bei sehr komplexen Produkten meistens erst zu einem späteren Zeitpunkt involviert und müssen dann eine sogenannte „Vorentwicklung“ verkleiden. Erst die Integration des Designs in die Entwicklung, wie es jetzt auch bei ConWork der Fall war, ermöglichte diesen ursprünglichen Gestaltungsprozess. Details, Funktionen und Mechanismen werden auf diese Weise ständig hinterfragt, das führte letztlich sowohl aus optischer als auch aus funktionaler Sicht zu einem überzeugenden Ergebnis. Das wünscht man sich als Designer.
Wer mag, kann sich das Ganze im Anschluss nochmal genauer ansehen – zum Entwicklungsprozess des Stuhlprogramms ConWork gibt es nämlich auch einen Film.

 

www.kloeber.com

Jörg Bernauer

Jörg Bernauer, Inhouse-Designer. Seit 2008 begleite ich bei Klöber jedes neue Produkt von Anfang an. Dabei arbeite ich eng mit meinen Kollegen aus anderen Abteilungen zusammen, bin so direkt in…


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